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MAINBURGER STRASSE: Der Traum zerplatzt und die Restfragmente rücken in weite Ferne
Der Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt der Stadt Freising hat in seiner Sitzung am 1. Juli 2026 die fahrradfreundliche Umgestaltung der Mainburger Straße nicht nur in noch weitere Ferne gerückt, sondern auch deutlich abgespeckt und teilweise auch grundsätzlich in Frage gestellt.
Bei der Mainburger Straße handelt es sich um einen zentralen Inhalt des 2022 geschlossenen Vertrags zwischen der Stadt Freising und dem Radentscheid. Dieser wurde schon mehrmals auf der sprichwörtlichen „Langen Bank“ verschoben worden.
Mit der Entscheidung des Planungsausschusses ist, diese Bank nochmals verlängert worden. Gleichzeitig wurde die Umsetzung von einigen Mitgliedern des Ausschusses grundsätzlich in Frage gestellt.
Dementsprechend groß ist die Enttäuschung
ZUM HINTERGRUND
Während des Radentscheids hatten Mitarbeiter*innen des IFUB* für den Radentscheid Freising dankenswerterweise kostenlos eine Collage erstellt, wie die Mainburger Straße nach einer Umgestaltung aussehen könnte. Mit der Neuaufteilung des Straßenraums sollte den Bedürfnissen von Radfahrer*innen angemessen Rechnung getragen.
Unter dem Motto: I HAVE A DREAM wurde als optimale Lösung eine Gestaltung als sog. Protected Bikelane zu weiteren Erhöhung der Sicherheit für Radfahrer*innen visualisiert worden.
Photo Fanny Wirth / Collage © IFUB* – www.ifub.de
Der Wunsch war, dass je Richtung eine Fahrspur für Kfz Richtung genügen sollte, nachdem die überörtliche Verbindungsfunktion der Mainburger Straße mit Fertigstellung der Nord-Ost-Umfahrung im November 2020 entfallen ist und die Kfz-Zahlen inzwischen um gut ein Drittel zurück gegangen sind.
Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen und die dadurch erzielbare Sicherheit und Qualität für Radfahrende erfahrbar zu machen, fand im Mai 2021 die sog. Rote-Teppich-Aktion statt, bei der mit einer temporären Markierung einer Fahrradspur in der Mainburger Straße bergab statt
Dieses Anliegen wurde auch von der Stadt Freising angekannt und im Vertrag der Stadt mit dem Radentscheid im Jahr 2022 auch entsprechend als bis 2027 umzusetzende Maßnahme festgelegt:
1.3.4 Mainburger Straße (Hauptnetz)
In der Mainburger Straße sollen im Bereich zwischen Kreuzung General-von-Nagel-Straße / Mainburger Straße („Korbiniankreuzung“) und Kreuzung Alois-Steinecker-Straße / Mainburger Straße beidseitige separierte Radverkehrsanlagen angelegt werden (z.B. Fahrradstraße abseits der Mainburger Straße, Radfahrstreifen, geschützte Radfahrstreifen, Schutzstreifen). Fahrspuren des motorisierten Verkehrs sollen hierfür entfallen.
Bei den Haushaltsberatungen 2023 wurde dann aus finanziellen Gründen die Umsetzung verschoben.
Im März 2024 wurden dann zumindest die Planungen wieder aufgenommen.
ALLERDINGS in bereits deutlich abgespeckter Form:
- so war jetzt nicht mehr von einem Radweg, geschweige den einem geschützten Radweg die Rede; es sollte lediglich die deutlich unsichere Lösung eines Fahrradschutzstreifens realisiert werden – und das auch nur bergab!
- Weil von der Isarhochbrücke kommend weiterhin zwei Kfz-Spuren in die Mainburger Straße weiter geführt werden sollten, soll bergauf nicht einmal ein durchgängiger Schutzstreifen realisiert werden, sondern nach anderen Lösungen gesucht werden. Insbesondere bei der kritischen Stelle auf Höhe der früheren Korbinianapotheke bedeuten 2 Kfz-Fahrspuren, dass die Radfahrenden hier weiterhin eingequetscht und ohne ausreichenden Abstand zum Kfz-Verkehr fahren müssten.
- Der Abzweig von der Mainburger Straße in die General-von-Nagel-Straße (weiter in die Landshuter Straße bzw. dann in die Alte Poststraße) nach Neustift wurde 2024 ganz ausgeklammert.
Für die Umsetzung wurde damals zunächst Sommer 2025 angekündigt.
… später hieß es 2026. Das konnte aber auch nicht umgesetzt werden, weil parallel die Dr.-von-Daller-Straße und die Ottostraße eine neue Fahrbahndecke erhielten und mehrere Baustellen angeblich nicht möglich seien (auch wenn ja in den aktuell anstehenden Sommerferien die Ottostraße bereits wieder freigegeben ist).
Mit dem aktuellen Beschluss des Planungsausschusses wird jetzt erneut mit Planungen begonnen (dieses Mal zwar mit der General-von-Nagel-Straße), allerdings weiterhin mit der Vorgabe maximal einen durchgängigen Schutzstreifen bergabwärts und bergauf eine suboptimale zusammen gestückelte Lösung zu finden.
Die Weiterführung hinter der Alois-Steinecker-Straße in Richtung Mainburger Berg – und zu den Schulen an der Rotkreuzstrasse – bleibt weiterhin vage und nebulös.
Für die Umsetzung kann jetzt nach dem nochmaligen Verschieben frühesten 2028 angegangen werden, allerdings wurde diese nicht gleich mitbeschlossen; nach den Planungen soll erneut darüber beraten werden, ob das Projekt wirklich angegangen werden soll.
Die Äußerungen einiger Stadträt:innen, die eher mehr als weniger Kfz-Fahrspuren reklamieren, lassen befürchten, dass die Diskussion über halbwegs sichere Lösungen für Radfahrer:innen in der Mainburger Straße sich noch lange hinziehen wird.
Der Radentscheid Freising wird die Entwicklung kritisch begleiten.
Nachdem jetzt in der aktuellen Laufzeit des Vertrages mit der Stadt Freising keine Erfüllung dieses Punktes erfolgen wird, ist sicherlich zu überlegen, wie das weitere Vorgehen nach Ablauf der Friedenspflicht 2027 zu gestalten ist.
Die Aktiven des Radentscheid Freising sowie die Zuständigen der beiden Trägerverbände ADFC Freising und VCD Freising stehen angesichts dieser eklatanten Vertragsverletzung vor der Aufgabe, Handlungsoptionen zu entwickeln und zu diskutieren.
